Große Herausforderungen auf dem Land gemeinsam stemmen

Spannender und informativer „Tag des ländlichen Raumes“ der Volksbanken Raiffeisenbanken

Großbeeren. Mehrere kleine Kräfte vereint, bilden eine große. Nur ein schlichter Satz und eine einfache Wahrheit? Nicht, wenn es um den ländlichen Raum in Brandenburg oder auch anderswo in Deutschland geht. Das wurde wieder während des „Tages des ländlichen Raumes“ deutlich. Dazu hatten die Volksbanken Raiffeisenbanken aus Berlin und Brandenburg auf Schloss Diedersdorf eingeladen. Gut 250 Gäste waren dem Ruf gefolgt. Landwirte, Gastronomen, Hoteliers, Mittelständler und natürlich Verbraucherinnen und Verbraucher waren angereist, um über ihre meist ländlich geprägte Region zu reden.

Moderator Max Moor

Mit einer Aufforderung startete Moderator Max Moor in den Tag: „Wir müssen reden – über unser Essen. Vor allem darüber, wie es produziert, aber auch wie es verwertet wird. Wir müssen über unsere Böden reden und wie unsere Kinder und Kindeskinder noch von ihnen leben können.“ Denn der ländliche Raum steht angesichts der demographischen Entwicklung vor besonderen und großen Herausforderungen.

Frank Robby Wallis - Vorstandsmitglied der Brandenburger Bank

Gute Antworten auf viele Fragen können Genossenschaften liefern, setzte Frank Robby Wallis, Vorstand der Brandenburger Bank, den Diskurs fort. Volksbanken Raiffeisenbanken seien die drängenden Probleme bekannt: viel Fläche, wenig Menschen und vor allem immer weniger junge. Der Bevölkerungsrückgang führt häufig zu Engpässen in der Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, der ärztlichen und pflegerischen Versorgung und erfordert von den Menschen eine immer größere und individuelle Mobilität.

Frank Robby Wallis erinnerte jedoch auch an die „besondere Verpflichtung für die Menschen hier auf dem Land und damit für die ansässige Landwirtschaft. Wir, die regionalen Banken, kennen die Landwirtschaft hier, verstehen und unterstützen sie. Das hat eine fast 150-jährige Tradition – und das soll auch so bleiben.“ Deshalb wollen und werden die regionalen Banken auch weiterhin ein verlässlicher und starker Partner bleiben.

Jan Wedemeier vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut

Allerdings werden bis 2030 die Veränderungen auf dem Land noch drastischere Ausmaße annehmen: Familie, Arbeitswelt, selbstbestimmtes Leben im Alter sowie die ländlichen und städtischen Regionen müssen neu und vor allem gemeinsam gedacht werden, bestärkte Jan Wedemeier vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, die Überlegungen um eine andere Stadt-Land-Beziehung zu intensivieren. Wegen der sich ändernden Gesellschaft könne genossenschaftliches Denken hilfreich sein, um in einer zunehmend alternden Gesellschaft auch künftig Wohlstand und sozialen Frieden zu sichern. Das funktioniere jedoch nur gemeinsam: Deshalb sind einerseits die Politiker aufgefordert, eine koordinierte Standortpolitik voranzubringen und andererseits sind die Unternehmen gefordert, sich schneller und nachhaltiger der sich ändernden Gesellschaft anzupassen.

Sterneköchin Sarah Wiener

Bekräftigt wurden die Aussagen mit einer sehr persönlichen Sicht auf das Leben und Wirken auf dem Land von Sterneköchin Sarah Wiener. Die gebürtige Wienerin hat vor wenigen Jahren einen Hof in der Uckermark gekauft. Sie berichtete von ihren Schwierigkeiten beim Aufbau einer Holzofenbäckerei und wie sie es schafft, den Betrieb am Laufen zu halten: „Es reicht eben nicht aus, dass ich einen kleinen Hofladen habe, auf dem ich biologisch angebaute Produkte anbiete.“ Vielmehr seien Alleinstellungsmerkmale notwendig, die Produkte einzigartig machen. Unumgänglich wäre aus ihrer Sicht zudem eine Zusammenarbeit möglichst vieler Höfe. „Dabei spielt die Ausrichtung – biologisch oder konventionell – gar keine Rolle. Der Weg in eine gute Zukunft mit mehr Sicherheit führt über eine kluge Vernetzung und kollegiale Unterstützung der Landwirte untereinander.“

Abgerundet wurde der erste „Tag des ländlichen Raumes“ in Brandenburg mit verschiedenen Diskussionsrunden zu Themen wie Landwirtschaft 4.0, Vertikal Farming, regionale Superfoods, Leben im Dorf (gestern und heute) und Tourismus im ländlichen Raum. Dieser Tag hatte in den Vorjahren bereits Vorläufer als sogenannter Unternehmertag.